Abschluss­bericht Lacrosse WM 2018 Netanya

Deutsch­land auf Platz 9 der Lacrosse-​Weltrangliste. Immer noch, trotz wach­sender Konkur­renz. Das hoch ange­set­zte Ziel von Head Coach Matthew Bagley kon­nte diesen Som­mer durch eine über­ra­gende Leis­tung der deutschen National­mannschaft erre­icht und gle­ichzeitig die vorzeit­ige Qual­i­fika­tion für die World Games 2021 und die kom­mende Welt­meis­ter­schaft 2022 gesichert wer­den. Blicken wir zurück auf dieses Lacrosse-​deutsche Som­mer­märchen, so standen am Anfang noch diverse Frageze­ichen über den Erfahrun­gen, die die 27 Ath­leten und der Train­er­stab machen wür­den: Im der WM vorgeschal­teten Train­ingslager in Ashkelon hatte die Mannschaft bere­its gegen starke Mannschaften gescrim­maged und gezeigt, dass die 18 Monate Vor­bere­itung gefruchtet hat­ten, die kli­ma­tis­che Umgewöh­nung aber den­noch nicht zu unter­schätzen war.

Viel Zeit für diese allerd­ings nicht, lediglich ein Tag Freizeit zwis­chen Camp und Turnier­start blieb den Jungs und der wurde (wie von diversen weit­eren National­mannschaften auch) in Jerusalem ver­bracht. Neben oblig­a­torischem Sight-​Seeing der Alt­stadt mit ihrer unglaublichen Dichte an hochre­ligiösen Wall­fahrt­sorten stach beson­ders das anschließend besuchte von Yad Vashem her­aus. Das Mon­u­ment und Museum zum Gedenken an den Holo­caust hin­ter­ließ bei den Spiel­ern sicht­bare Ein­drücke und ließ viele noch ein­mal die Trag­weite reka­pit­ulieren, die es mit sich brachte, ihr Land bei diesem Gast­ge­ber zur repräsen­tieren. Ein Gefühl, das umso realer wurde, als am sel­ben Abend in einer kleinen Zer­e­monie die offiziellen Trikots für die WM durch den Train­er­stab ver­liehen wur­den und Per Anders-​Olters als jüng­ster Spieler die Fahne über­re­icht bekam, mit der er von nun an die deutsche Del­e­ga­tion anführen durfte. Abgerun­det wurde der Abend, wie von nun an fast alle fol­gen­den, von einem kurzen Scouting-​Report zum ersten Geg­ner, den es dann am näch­sten Mor­gen bere­its früh zu bezwin­gen galt: Süd-​Korea. Für dieses erste Spiel, noch vor der tat­säch­lichen Eröff­nungsz­er­e­monie der Meis­ter­schaft, schien die Chemie von Anfang an zu stim­men: Selb­st­be­wusst, wach und heiß lief die deutsche Mannschaft auf und kon­nte die Kore­aner zu jedem Zeit­punkt des Spiels unter Kon­trolle hal­ten, der End­stand von 19:5 lieferte ein deut­liches Tes­ta­ment für den Siegeswillen, den die Jungs im Gepäck hat­ten. Und dieser war noch lange nicht gestillt: direkt am näch­sten Tag galt es, das zweite Vor­run­den­spiel gegen Frankre­ich zu bestre­iten und auch hier schien ein Sieg für Deutsch­land trotz schwarzer Jer­seys und bren­nen­der Mit­tagshitze zu keinem Zeit­punkt gefährdet. End­stand: 15:4 Deutsch­land. Soviel zu den bekan­nten Vari­ablen des Turniers, von nun an war schnelles Umschal­ten ange­sagt, sowohl men­tal von Geg­ner zu Geg­ner als auch kör­per­lich zwis­chen sportlicher Höch­stleis­tung und Regen­er­a­tion. Mit Hong Kong stand als näch­stes ein weit­eres, recht unbeschriebenes Blatt auf dem Pro­gramm. Aber auch die diszi­plin­iert und lauf­s­tark auf­spie­len­den Hong-​Kong-​Chinesen ver­mochten trotz aller­größter Mühe weder, den deutschen Offen­siv­mo­tor zu stop­pen, noch sel­ber einen Schlüs­sel gegen die eis­erne FUD-​Verteidigung zu finden. Auch dieses Spiel schlug mit 13:4 auf das deutsche Konto und bere­it­ete den Weg zu einer Begeg­nung, über die bere­its im Vor­feld viele Worte gesprochen wor­den waren: Deutsch­land gegen Puerto Rico. Sig­nifikant vor allem durch den Ruf des Geg­n­ers, der bei nominell erster WM-​Teilnahme einen Ros­ter präsen­tierte, der dem kleinen US-​Außengebiet im Vor­feld bere­its Möglichkeiten auf das Erre­ichen der Blue Divi­sion ein­räumte. Ob diese gerade-​noch-​so-​Amateur-​Athleten auch als Mannschaft zusam­men funk­tion­ieren wür­den oder ob es bei indi­vidu­eller Stärke bleiben würde, die die Deutschen durch Teamgeist und Gemein­schaft bezwin­gen kon­nten, galt es her­auszufinden. Am Ende stellte sich raus, dass die Wahrheit wie immer irgendwo in der Mitte lag. Trotz hartem Kampf, in dem die Jungs in weiß fast über­men­schliche Kräfte zu mobil­isieren schienen und den Großteil des Spiels so gut mithiel­ten, dass die Sen­sa­tion zu greifen nah schien, stand am Ende eine bit­tere 14:9-Niederlage, die für Cap­tain Wolf­gang Gries­sel allerd­ings einen stolzen Beigeschmack hatte: „Eine Nieder­lage bei der WM aber ein Sieg für Deutschland-​Lacrosse!“ Und wenn über­haupt möglich, so schaffte es die Mannschaft, aus diesen emo­tionalen Momenten noch mehr Kraft zu schöpfen, gewis­ser­maßen eine „Jetzt-​erst-​recht-​Mentalität“ zu entwick­eln, die ger­ade im näch­sten Spiel ange­bracht schien. Finn­land stand nun auf der Agenda, ein Team, mit dem diverse Spieler noch alte Rech­nun­gen zu begle­ichen hat­ten. Trotz des gewohnt physis­chen Spiels der Skan­di­navier ließen sich die Deutschen auch hier nicht die But­ter vom Brot nehmen und spiel­ten clever und sou­verän ihre Vorteile aus, was schlussendlich mit eine 12:7-Sieg belohnt wurde, der gle­ichzeitig auch einen Tag Pause als zusät­zlichen Bonus mit sich brachte. Dieser wurde am Strand genutzt, um angemessene Team­fo­tos und Erin­nerungsportraits zu schießen, die Vor­bere­itung auf die näch­ste Begeg­nung kon­nte erst am späten Abend begin­nen, da dieser erst in einer der let­zten Begeg­nun­gen des Tages ermit­telt wurde. In einem Herz­schlag­fi­nale unter­lag dort Irland knapp Eng­land, sodass man den Iren, neben­bei auch noch Flur-​Nachbarn der Deutschen im Hotel am näch­sten Mor­gen nicht nur beim Frühstücks-​Buffet son­dern auch auf dem Platz begeg­nen sollte. Dieses Aufeinan­dertr­e­f­fen war auf bei­den Seiten geprägt von hartem, physis­chem Spiel, das erken­nen ließ, das bei­den Teams zwar schon ein langes Turnier in den Knochen steckte, die Ver­heißung eines Platzes in den Top 10 aber alle motivierte, auch die let­zten Körner noch zu mobil­isieren und alles auf dem Platz zu lassen. Am Ende ließ das Ergeb­nis mit 14:5 für Deutsch­land die Begeg­nung auf dem Score­board deut­licher ausse­hen, als sie sich für viele Spieler auf dem Platz ange­fühlt haben mag. Aber ein erstes Aufat­men war möglich: die Top 10 waren gek­nackt, die WM-​Qualifikation für 2022 eingetütet und nur noch ein Spiel stand dem Sah­ne­häubchen der World-​Games-​Qualifikation im Weg: Dieses wurde erneut bere­its am Fol­ge­tag bestrit­ten, als Geg­ner hat­ten sich zeit­gle­ich mit dem let­zten Sieg die Philip­pinen her­auskristallisiert. Auch diese hat­ten diverse amerikanis­che College-​Spieler in ihren Rei­hen, kon­nten aber der beschwingten deutschen Mannschaft und ihrem unbändi­gen Willen, nun auch die Kür mit Bravour zu absolvieren, schlussendlich nicht mehr genug ent­ge­genset­zen, um deren 8:5-Sieg zu ver­hin­dern. Damit waren alle Ziele zur voll­sten Zufrieden­heit erfüllt, Spieler, Trainer und Fans kon­nten nach inten­siven zwei Wochen voller Lacrosse mit Stolz auf eine Mannschaft zurück­blicken, die nicht nur erneut die inter­na­tionale Stärke und Wet­tkampf­fähigkeit des deutschen Lacrosse-​Programms unter­strichen hatte, son­dern auch den Weg für zukün­ftige Gen­er­a­tio­nen geeb­net hat, die auf dem Fun­da­ment dieser Leis­tun­gen ihre eige­nen Wege bah­nen wer­den. Wir sagen „Danke Jungs!“ und wo auch immer euch die Zukunft hin­führt, sei es zur kom­menden EM 2020, ob als Spieler, Trainer oder Unter­stützer, sei es in den wohlver­di­en­ten Lacrosse-​Ruhestand oder auf ganz neue Fährten, ihr könnt euch sicher sein, dass ihr in Lacrosse-​Deutschland für immer einen ganz dicken Stein im Brett habt. Der DLaxV ist stolz, in dieser his­torischen WM von jun­gen Män­nern repräsen­tiert wor­den zu sein, die drei Schlag­worte nicht besser hät­ten vertreten kön­nen: Ehrgeiz, Herzblut, Erfolg.

Spon­sor­ing Her­ren Prolax