DLaxV: Hallo Marius, du bist nicht nur einer der Organisatoren der HILB,  sondern auch Spieler des KKHT Schwarz-Weiss Köln. Wie kommst du mit dieser Doppelrolle zurecht?

Marius: Das ist meine vierte Deutsche Meisterschaft in der HILB  und hoffentlich schaffe ich es auch zum vierten Mal in das Finale.  Mit einem Sieg wäre es am Ende der dritte Titel. Wenn eine Saison mit einem Titel belohnt wird, dann ist die Arbeit die man nicht nur auf, sondern auch neben dem Platz geleistet hat fast ausgezahlt. Spass bei Seite, das sportliche muss natürlich von der Rolle des Ligaleiters getrennt werden, aber dennoch selber aktiv zu spielen und die direkten Auswirkungen der eigenen Arbeit zu sehen ist natürlich wunderbar – das wiegt schon vieles auf. Andererseits fühl ich mich vor Ort bei all den Events natürlich immer gleich betroffen und persönlich verantwortlich, das kann schon stressig werden, wenn es mal nicht läuft oder Spieler unzufrieden sind. Mit der Zeit hab ich gelernt mit der Doppelbelastung umzugehen und bin auch routiniert geworden.

DLaxV: Seit vier Jahren organisierst du den Spielbetrieb in der Indoorlacrosse Bundesliga. Was für eine Entwicklung in der deutschen Indoorszene stellst du fest?

Marius: Die Entwicklung zu messen ist natürlich schwierig. Gemessen an der Ligagröße haben wir im letzten Jahr den größten Sprung von acht auf zehn Mannschaften gemacht und die Liga von zwei in drei Regionalligen  geteilt (Nord, West und Süd: Anm.d.Red.). Das war aber nur der konsequente Schritt aus der Gesamtentwicklung. Die Entwicklung, besonders spielerisch, ist enorm. Das merkt man einerseits an der Entwicklung der Indoor Nationalmannschaft und dessen Trainingscamps, die sich sowohl in Qualität als auch Quantität enorm verbessert haben. Die Wechselwirkung zwischen Natio und Liga ist dann auch sichtbar, da das erlernte direkt den Vereinen zu Gute kommt. Nicht umsonst sind Mannschaften wie München Köln und Berlin Dauergäste bei dem Final Four Wochenende. Diese Mannschaften stellen auch die meisten Teilnehmer bei den Natiocamps.

Neben der Qualität des Spiels zwischen allen Mannschaften, steigt auch die Beteiligung der Vereine – insgesamt sind über 40 Vereine in allen SG´s beteiligt. Die Mannschaften reisen kaum noch mit lediglich sieben bis zehn „Runnern“ bei den Spielen an. Die Kader sind meistens mit ca. 15 Mann gefüllt und dadurch die Spielqualität und Geschwindigkeit sehr ansehnlich! Es geht also vorwärts und ich wünsche mir das das Wachstum sich so verstetigt.

DLaxV: Was hat dich damals nach der Indoorn WM 2015 angetrieben einen eigenen Ligabetrieb in Deutschland aufzubauen?

Marius: Besonders bei der damaligen Natio, angefangen bei Simon als Manager über die Trainer bis hin zu den einzelnen Spielern, war der „grow the game“ Spirit allseits vertreten. Man muss ja schon ein bisschen verrückt sein ohne ein Ligabetrieb und der verbundenen Ausgangsbasis an Spielern ein Projekt wie einer Teilnahme an einer Weltmeisterschaft durchzuziehen. Wir Spieler waren uns alle anschließend bewusst: Indoor Lacrosse ist geil und hat viel mehr Potential in Deutschland und da muss und kann was passieren. Simon Krause ist im Anschluss das Projekt Indoorliga dann direkt angegangen und ich hab einfach keine Argumente gehabt warum ich nicht helfen sollte.

DLaxV: Du bist viel auf europäischen Turnieren unterwegs, vor allem in Tschechien. Wo würdest du deutschen Indoorlacrosse im internationalen Vergleich einordnen?

Marius: Also innerhalb von Europa können wir mit einer Nationalmannschaft ganz oben stehen, da ist aber noch Potential offen. Was uns einfach fehlt ist Indoor Erfahrung und die bauen wir über unsere Liga auf, aber wir müssen uns da auch mehr mit anderen Mannschaften vergleichen, eine starke Mannschaft pro Regionalliga reicht nicht. Im direkten Vergleich können wir uns strukturell mit der tschechischen Liga messen. Ich glaube aber, dass spielerisch nur die vier besten Teams Deutschlands in einer tschechischen Liga mitspielen könnten und dann auch lediglich im Mittelfeld. Wir holen aber auf und stehen meiner Meinung nach besser dar als andersherum die tschechische Liga im Feldlacrosse im Vergleich zur Deutschen Feldliga. Andere Indoor Ligaprogramme in Europa stecken lediglich in den Kinderschuhen. Auch die finnische Liga ist recht klein und von einer Mannschaft dominiert.

DLaxV: Nächstes Jahr findet erstmalig die Europameisterschaft im Indoorlacrosse in Hannover statt. Was versprichst du dir von dieser großen Veranstaltung für Lacrosse in Deutschland?

Marius: Ich hoffe einfach dass die Chance ein internationales Turnier im eigenen Land spielen zu können, alle Lacrosser in Deutschland motiviert zu den Indoorcamps und Tryouts zu gehen! Ich verweise hier auf die Infos auf www.dlaxv.de im Kalender. Wir haben ein geiles Trainerteam für die EM und ich bin mir sicher Simon stellt mit dem Projektteam ein tolles Event auf die Beine. Ziel ist Europameister im eigenen Land zu werden und wen das nicht motiviert, der sollte Breitensport betreiben. Noch ist kein Platz in der Mannschaft vergeben und alle starten bei null! Bezogen auf Indoorlacrosse in Deutschland hoffe ich natürlich, dass wir noch mehr Spieler und Spielqualität für die Mannschaften dadurch gewinnen!

DLaxV: Du bist immer noch in der Indoor Nationalmannschaft. Was sind deine persönlichen Ziele?

Marius: Ob ich noch drin bin weiß ich nicht, wie gesagt, die Karten sind neu verteilt, aber ich will natürlich da anknüpfen wo ich aufgehört hab und als einer der Captains in Hannover die Nationalhymne zu singen ist definitiv ein ganz großes Ziel.

DLaxV: Willst du noch etwas loswerden?

Marius: Erstens: Kommt zu den Natiocamps! Zweitens: Boxlacrosse ist toller als Feldlacrosse! Drittens: Die HILB hat eine Ligaordnung, da stehen viele Antworten auf FAQ´s drin!

Marius Wolter in Aktion

Marius Wolter war bei der WM 2019 in Kanada Captain der Nationalmannschaft.