DLaxV: Hallo Philipp, du hast vor kurzem beschlossen durch Deutschland zu touren und in verschiedenen Städten ein Box-Lacrosse-Training zu geben. Wie bist du auf die Idee gekommen?

Philipp: Die Idee entstand aus einem emotionalen Wellenbad. Euphorie und Frustration zugleich. Zum einen durfte ich bei der diesjährigen Weltmeisterschaft in Kanada erneut erfahren, welchen Enthusiasmus Box Lacrosse sowohl bei Spielern als auch Fans auslösen kann, zum anderen mussten wir uns als Deutschland Lacrosse zum wiederholten Mal hinter unseren direkten Konkurrenten Finnland und Tschechien einreihen. Trotz unserer jungen Box-Lacrosse-Geschichte ist dies für nicht mehr akzeptabel.

DLaxV: In wie vielen Städten warst du genau?

Philipp: Insgesamt habe ich acht Städte besucht. In Köln losgefahren habe ich den ersten Halt in Dortmund gemacht. Es folgten Münster, Bielefeld, Hannover, Bremen, Hamburg, Kiel und zum Schluss Berlin. In vielen Städten kamen auch Spieler aus umliegenden Städten. So haben sich in Dortmund viele aus dem Ruhrpott versammelt, nach Bielefeld kamen Jungs aus Paderborn und zum Training in Hannover Spieler aus Braunschweig und Göttingen. In Berlin durfte ich sogar eine gemeinsame Trainingseinheit mit Spielern vom Blax, BHC und Viktoria Berlin leiten.

DLaxV: Wie war die Resonanz?

Philipp: Sowohl Spieler als auch Trainer haben im Anschluss an das Training nach anstehenden Box-Lacrosse-Turnieren und Camps gefragt. Im Raum standen auch weitere vereinsinterne Box Lacrosse Trainingseinheiten. Ich denke also, dass die Trainingseinheiten überwiegend positiv aufgenommen wurden. Aktuell habe ich viele Anfragen aus dem Süden Deutschlands und sogar aus Luxemburg und den Niederlanden. Ein kurzes recap der Tour gibt es auf Instagram (@germanyindoorlacrosse) unter den Highlights zu sehen.

DLaxV: Was hast du für Beobachtungen gemacht? Gibt es große Unterschiede zwischen den Städten und was waren die Gemeinsamkeiten?

Philipp: Sehr positiv empfand ich die allerorts vorzufindende Begeisterung für Lacrosse. Motivierte Spieler, die bereit waren Neues zu lernen und auch bis zum Schluss eine hohe Trainingsintensität mitzugehen. Diese erfreuliche Einstellung der Spieler hat mir persönlich dabei geholfen, den empfundenen Dämpfer der zum Teil geringen Trainingsbeteiligung aufzuwiegen. Tatsächlich war ich sehr überrascht zu hören, dass in Kiel, Bremen oder auch Hamburg regelmäßig Trainingseinheiten mit nur drei bis sechs Teilnehmern stattfinden. Es war mir immer wichtig die anwesenden Spieler für die Trainingsteilnahme zu loben und mich darüber zu freuen, als mich über das Fehlen der Anderen zu ärgern.

DLaxV: Was sollte sich deiner Meinung nach ändern im Deutschland Lacrosse, damit der Sport weiter wachsen kann?

Philipp: Dies lässt sich in drei Punkten sehr gut zusammenfassen. Erstens benötigt jeder Verein mindestens ein stabil gebautes Box Lacrosse Tor mit den korrekten Maßen (145 cm Breite x 120 cm Höhe). Zweitens muss sich jeder Verein eine Box-Lacrosse-Torhüterausrüstung zulegen. Jeder Spieler sollte zudem Rippads besitzen. Drittens muss das taktische Know-How in der Breite über ganz Deutschland gestreut werden. Hierzu konnte ich bei den von mir besuchten Vereinen den Grundstein legen, jedoch müssen die Grundlagen gefestigt werden um auf diese weiter aufbauen zu können. Die Teilnahme an Turnieren und Trainingscamps führt hierbei aus meiner Sicht schnell zu Erfolgen.

DLaxV: Die EM in Hannover im Box Lacrosse zeichnet sich am Horizont ab. Im Sommer 2021 haben wir eine Heim-EM. Was siehst du für Chancen bei dieser EM. Wie stehen wir im europäischen Vergleich da?

Philipp: Die Box-Lacrosse-EM im Jahr 2021 in Hannover auszurichten ist ein sehr wichtiger und extrem wertvoller Schritt für Lacrosse in Deutschland. Mittelfristig wird sich bei den Herren aus meiner Sicht Box Lacrosse gegenüber Feld Lacrosse durchsetzen. Dies zeichnet sich aktuell bereits in Nordamerika ab und auch in Europa wird dieser Trend immer deutlicher. Durch spielerische und taktische Elemente aus den Sportarten Eishockey und auch Basketball, hat Box Lacrosse für Zuschauer einen höheren Wiedererkennungswert und ist daher viel greifbarer und attraktiver. Für die Spieler bietet sich eine große Bandbreite an Möglichkeiten sich auf dem Spielfeld zu beweisen. Die hohe Intensität und der ständige Wechsel von einer Spielfeldseite zur anderen geben jedem Spieler ausreichend Spielzeit und damit den nötigen Spaß am Lacrosse. Das Ziel bei der EM 2021 muss ganz klar der Europameistertitel sein. Sollten wir es schaffen alle Lacrosser in Deutschland für Box Lacrosse zu mobilisieren, werden wir unsere direkten Konkurrenten aus Tschechien und Finnland schlagen und auch gegen Israel und England einen Sieg einfahren.

DLaxV: Was sind deine weiteren Pläne?

Philipp: Ich möchte die Vereine bei der Beschaffung der nötigen Box Lacrosse Ausrüstung unterstützen und mehr Spielern aus Deutschland zur Teilnahme an internationalen Turnieren verhelfen. Zudem möchte ich die Möglichkeit schaffen taktisch fundiertes Box-Lacrosse-Training in deutschen Vereinen anzubieten. Hierzu ist es mein Ziel das Know-How durch Trainings vor Ort als auch Fortbildungen bei Box Lacrosse Camps zu erweitern.

DLaxV: Möchtest du an dieser Stelle jemanden besonderes Danken von deiner Tour?

Philipp: Danken möchte ich ganz besonders meinen vielzähligen Ansprechpartnern in den Vereinen, die es geschafft haben eine motivierte Truppe für das Training zu mobilisieren. Danke auch für die herzliche Aufnahme und die Bereitstellung einer Unterkunft inklusive Speis und Trank.

DLaxV: Wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg für dein vorbildliches Engagement. Grow the Game.