ruhl 02Jochen Ruhl, von Berufswegen Business Analyst bei Fitness First Germany, ist der General Manager der deutschen Herren Nationalmannschaft und hat die Nachfolge von Kaja Muhr angetreten. Privat lebt er mit seiner Partnerin Katharina in Frankfurt am Main. Hier spielt er in der A-Mannschaft des SC Frankfurt 1880.

 

DLaxV: Jochen, wie hast du Lacrosse für dich entdeckt?

Jochen: Während meines Studiums in Marburg bin ich durch einen Freund auf das Unitraining aufmerksam geworden und habe schnell mein Herz daran verloren. Zusammen mit u.a. Christian Theis, Wolfram Greb und Sebastian Höfer haben wir dann die Marburg Saints gegründet.

DLaxV: Jochen, du hattest noch kein Amt innerhalb des Verbandes inne. Was hat dich motiviert, dich als General Manager der Herren Nationalmannschaft zu bewerben?

Jochen: John Mask, der Offensive Coordinator und ein langjähriger Freund von mir, kam eines Nachmittags auf mich zu und hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könne, Kaja zu unterstützen. Ich gebe zu, ich habe vorher noch nicht darüber nachgedacht, allerdings musste ich auch nicht lange überlegen und war froh, die Chance zu bekommen, einem großartigen Sport, der mir sehr viel gegeben hat, auf diese Weise etwas zurückgeben zu können. Als kurze Zeit später der GM Posten vakant wurde, übernahm Henning Schmidt die Position interimistisch. Henning, Rossi und ich haben relativ schnell gemerkt, dass die Zusammenarbeit sehr gut verläuft und wir im Großen und Ganzen auf einer Wellenlänge sind. Der ganze Stab (Management, Coaches, etc.) passt personell sehr gut zusammen. Dies und die Tatsache, dass wir fantastische Personen in den Reihen der Spieler haben, machten mir die Entscheidung, die Position als GM zu übernehmen, sehr einfach.

DLaxV: Hast du denn bereits ein Ziel ins Auge gefasst?

Jochen: Es ist immer schwierig, den Spagat von Professionalität und Geringhaltung der Kosten pro Spieler hinzubekommen. Wir möchten mit der Mannschaft auf eine neue Ebene kommen. Da bleibt es nicht aus, dass hier und dort etwas Geld in die Hand genommen werden muss. Dies allerdings nur, soweit es noch im finanziellen Rahmen bleibt. Für mich ist es wichtig, langfristige Partnerschaften aufzubauen. So haben wir unser Zentrallager in Kassel aufgeschlagen. Dort herrscht eine hervorragende Infrastruktur und sowohl das Kassel Lacrosse Team, als auch die Stadt Kassel freuen sich, mit uns zusammenzuarbeiten. Unser Ziel ist es auch, dass nicht nur die Herren Nationalmannschaft dort trainiert, sondern dass es die Basis aller Nationalmannschaften wird. Mit gleichem Gedankenhintergrund ist ein weiteres Ziel, mehr Synergien aus den verschiedenen Nationalmannschaften zu ziehen. Der erste Schritt ist getan, wir haben uns „zusammengesetzt“, um einen gemeinsamen Weg zu gehen. Das zahlt auch wieder in die Kostenreduktion ein – Deals für 5-6 Teams zu verhandeln, bringt eine bessere Verhandlungsposition mit sich.

DLaxV: Du hast bereits davon gesprochen, dass du den Kontakt zu den Jungs unserer Nationalmannschaft als sehr angenehm empfindest. Wie erlebst du das Team als Einheit?

Jochen: Mit ganz verschiedenen Eindrücken. Ich bin mit vielen Spielern schon vorher freundschaftlich verbunden gewesen, was es zum einen leichter, zum anderen aber auch manchmal schwerer macht. Keiner hat mehr Vorschusslorbeeren durch vergangene Verdienste unter Coach Kaley. Man sieht, dass jeder weiß, sich hier aufs Neue beweisen zu müssen. Auf dem Feld arbeitet jeder bis zur totalen Erschöpfung. Dies ist der Teil, den die Spieler beitragen. Jedes Mal, wenn ich das sehe, weiß ich, wofür ich mir die eine oder andere Nacht um die Ohren haue, um neben der Arbeit meinen Teil zum Erfolg beizutragen.

DLaxV: Wie ist die Stimmung in unserem Team und unserer Natiostaff?

ruhl 01Jochen: So wie ich es erlebe, sehr gut. Das Feedback, welches ich bekomme, ist sehr positiv. Den Spielern gefällt das Trainingskonzept. Es reicht nicht mehr aus, nur ein sehr guter Spieler zu sein, mit guten Skills. Du musst auch ein sehr fitter Athlet sein, welches durch den Bundesadler Fitnesstest messbar gemacht wird. Hier können andere Defizite ausgeglichen werden. Außerdem macht dies die Spieler auf dem Weg nach Budapest immer besser. Während der Trainingseinheiten halten die Spieler einander hoch und motivieren sich gegenseitig.
Auch im Stab ist eine sehr gute Stimmung, wir sind alle in einem ähnlichen Alter, was das Miteinander noch leichter macht. Außerdem kennen sich die meisten schon über einen sehr langen Zeitraum, da sie schon sehr lange im Deutschen Lacrosse aktiv sind.

DLaxV: Die Stimmung ist sicher auch in anderen Teams sehr gut und die Motivation ähnlich hoch. Was unterscheidet das deutsche Team von den anderen Mannschaften?

Jochen: Professionalität! Wir haben den Trainerstab erweitert, bei einer Trainingseinheit sind 5-6 Trainer dabei, welche auf alle Details achten. Wir haben mit Fabian einen Strength & Con­di­tion­ing Coach, der einen Fitnesstest konzipiert und installiert hat. Wir haben mit Bianca eine hervorragende Physiotherapeutin vorort, zwei Ärzte, auf die wir zurückgreifen können und mit Hannes einen tollen Mediamanager, der uns öffentlich ins richtige Licht setzt. Und wie schon erwähnt in Kassel nun einen langfristigen Partner und Stützpunkt.

DLaxV: Abschließend die Frage: Wo siehst du euch in einem Jahr?

Jochen: Sehr erfolgreich in Budapest!

DLaxV: Jochen, wir danken dir für das Interview.

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