Die Spieler der deutschen Lacrosse- Nationalmannschaften haben eine Menge Know-How: Lacrosse-IQ, Trainingsdrills, Informationen über die Trainingscamps und deren Personal, einen Überblick über internationale Entwicklungen im Lacrosse und noch viel mehr. Gerade diese Informationen wünschen sich viele Mannschaften.

Auf der anderen Seite wünschen sich die Nationalmannschaften mehr Nachwuchs und Unterstützung durch andere Teams.
Wir haben uns gedacht, dass es dringend an der Zeit ist, einen direkten Draht zwischen Natio Spieler*innen und allen interessierten Mannschaften herzustellen. Aus diesem Gedanken ist das DlaxV-Patenkonzept entstanden, das für alle Beteiligten eine Win-Win-Situation darstellen soll.
In Dortmund ist das Konzept bereits angelaufen. Hier gab es schon einen guten Kontakt zu der Nationalspielerin Lena Stede. Dieser wurde nun von beiden Seiten als Patenschaft bestätigt. Gemeinsam zeigen Lena und das Dortmunder Team, wie eine funktionierende Patenschaft laufen kann. Ihre Motivation dazu erläutern Lena und die beiden Dortmunder Captains Julia und Bine im Interview:

  1. Lena, du wirst vom Dortmunder Team schon lange als eine Art „Patin“ wahrgenommen. Wie ist es dazu gekommen?

Lena: Vorab möchte ich sagen, dass ich mich wahnsinnig freue mit dem DlaxV-Patenkonzept nun offiziell zu starten und damit eine Möglichkeit zu schaffen, die Verbindung zwischen Spitzen- und Breitesport zu stärken.
Zurück zur Frage. Vor meiner Zeit in Köln habe ich selbst drei Jahre in Dortmund gespielt und mit dem Dortmunder Damenteam Deutschland Lacrosse, die Bundesliga West und einige Turniere kennenlernen dürfen. Ob es Zufall war, dass Dortmund Lacrosse im Jahr 2012, als ich aus den USA wiederkam und nach einem Verein in meiner Nähe geschaut habe, gegründet wurde? Mit dem Dortmunder Team begann meine „Lacrosse-Reise“ in Deutschland. Nach meinem Wechsel zum KKHT Köln 2015 blieb die Verbindung zu Dortmund aber immer bestehen. Wenn ich in den Semesterferien zuhause war, habe ich Trainings besucht, ab und an ein Training geleitet oder Spiele geschaut und im time-out ein paar Tipps gegeben. Dadurch, dass meine Mutter, Schwester und Freund alle aktiv in Dortmund spielen, ist die Nähe zur Mannschaft natürlich auch gegeben.

  1. Julia und Bine, welche Vorteile seht ihr in diesem direkten Austausch mit Lena?

Bine: Wir profitieren als Team sehr von dem Partnerschaftsmodell in Zusammenarbeit mit Lena. Der bisherige Fokus lag ganz klar auf der individuellen Förderung jeder einzelnen Spielerin. Bevor wir uns an taktische Abläufe wagen, muss die Technik am und mit dem Schläger verbessert werden. Lena hat viel Wert auf Einzelcoaching gelegt und jedem Spieler mit ihrem Wissen eigene Tipps zur Verbesserung gegeben. Das hat uns in der Vergangenheit viel gebracht und uns als Team im Gesamten gestärkt. Zukünftig erhoffe ich mir eine immer steigende Entwicklung unseres Teamniveaus und bin mir sicher, dass Lena uns dabei auch wertvolle Ratschläge geben wird. Zudem haben wir viele junge, talentierte Spielerinnen, die in Lena ein Vorbild sehen. Ich bin mir sicher, dass Lena diese Spielerinnen an die Hand nehmen und ihnen den Weg zu den Tryouts und Trainingscamps der Nationalmannschaft erleichtern wird. Durch den Kontakt zu einer Nationalspielerin mit Erfahrung im Junioren- und Seniorenbereich der Natio können mögliche Ängste und Vorbehalte genommen werden. Das Patenschaftsmodell ist für mich so ein ganzheitliches Konzept, das alle Bereiche und Niveaus im deutschen Lacrosse vereinen kann.

Julia: Die Vorteile, die das DlaxV-Patenkonzept für uns als Dortmunder Team mit sich bringt, sind vielfältig. Wir profitieren sowohl einzeln als auch als gesamtes Team von Lenas breitem Erfahrungsschatz. Durch den direkten Draht zu einer Nationalspielerin erhält man neuste Techniken und Informationen direkt aus erster Hand. Lacrosse ist ein Sport, der sich ständig ändert und weiterentwickelt, so startet die neue Saison beispielsweise mit neuen Regeln für die Damenmannschaften. An der Stelle ist es sehr hilfreich, Tipps und Übungen speziell zu den Neuerungen zu erhalten. Zudem hat Lena durch internationale Spielerfahrung nochmal einen anderen Blick auf das gesamte Spielgeschehen, was zu einem wertvollen Austausch führt.

  1. Die Bereitschaft, als Patin aktiv zu sein, klingt erst einmal nach Arbeit. Welche Vorteile siehst du für die Natiospielerinnen und -spieler, Lena?

Lena: Deutschland Lacrosse im Sinne von „Grow-the-Game“ und individueller Spieler- und Mannschaftsförderung weiterentwickeln zu dürfen ist für mich mehr ein Privileg als Arbeit. Für die Entwicklung des Lacrosse Sports in Deutschland dürfen wir uns nicht nur auf den Spitzensport -und Sportler*innen konzentrieren, sondern den Fokus auch auf den Breitensport durch die Stärkung von einzelnen Teams und Spieler*innen setzten. Dadurch heben wir das allgemeine Niveau und bringen mehr Teams auf ein höheres Level. Die Ligen und einzelne Spiele sollen spannender werden und 20:2 Spiele als Beispiel sollen der Vergangenheit angehören. Starke Konkurrenz fördert und fordert jeden einzelnen Spieler*in und spornt zur eigenen Leistungssteigerung an. Das ist auch der größte Vorteil, den ich für Natio-Spieler*innen sehe. Des Weiteren können sich Natio-Spieler*innen durch die Teilnahme am Paten-Konzept aktiv an der Nachwuchsarbeit der Nationalmannschaften beteiligen, um das Level von Deutschland Lacrosse dauerhaft zu bestärken. Auch haben wir so die Möglichkeit etwas von dem zurückzugeben, was wir selbst durch erfahrene Spieler*innen und Coaches lernen durften.

  1. Was müssen die Teams und die Paten mitbringen, damit das Konzept funktioniert?

Lena in Aktion. Ihre Erfahrung gibt sie gerne weiter.

Lena: Im Endeffekt wird jede Patenschaft ganz individuell aussehen. Pate und Team müssen sich vorab auf die Art der Patenschaft und die gemeinsamen Aktivitäten/ Austausch einigen. Als Pate sollte man den Wunsch in sich hegen, das Team- und Spielerniveau in Deutschland zu verbessern, ein Verbindungsstück zwischen den Nationalmannschaften und Teams zu bilden und auch die Hemmschwelle zur Teilnahme an Development Camps zu senken. Des Weiteren sollte man offen für Gespräche, Feedback und Teilung von Erfahrungen sein, um den Spieler*innen aus dem Patenteam eine Art Coach oder Mentor zu sein, der er/sie im Lacrosse-Sport bis dato vielleicht noch nie hatte. Als Team sollte man ebenfalls die Absicht zur kontinuierlichen Verbesserung haben und als eine Möglichkeit dafür die Patenschaft zu einem Natio-Spieler*in wahrnehmen. Grundsätzlich sollte eine Offenheit und Transparenz dem Paten gegenüber gebracht werden.

Bine: Das Patenkonzept dient der Förderung der Teams und Spieler*innen aus dem Breitensport. Ein teilnehmendes Team sollten das Ziel verfolgen seine Spieler*innen fördern zu wollen und das Niveau des Teams auf ein höheres Level zu bringen. Mit dieser Einstellungen und dem Respekt und Wertschätzung des Natio-Spielers, der seine Zeit in die Entwicklung des Teams investiert, kann eine erfolgreiche Patenschaften entstehen.

Julia: Wichtig ist aber auch, dass jeder Einzelne die Bereitschaft mitbringt, sich auf neue Dinge einzulassen. Dazu muss man Feedback annehmen können und dieses nicht als Kritik verstehen. Die einzelnen Teammitglieder benötigen den Willen sich weiterentwickeln zu wollen und somit auch gewohnte Abläufe anzupassen und zu verändern.

  1. Habt ihr konkrete Pläne, wie ihr eure Patenschaft in Zukunft noch intensivieren möchtet?

Lena: Von meiner Seite möchte ich die Dortmunder Damen mehr an der Entwicklung des Damen Lacrosse Spiels teilhaben lassen. Dieses wird durch Regelanpassungen stetig weiterentwickelt und maßgeblich verändert. Techniken und Spielkonzepte, die vor ein paar Jahren noch gespielt wurden, können heutzutage veraltet sein. Ansonsten habe ich mir vorgenommen kurze Videoeinheiten zu teilen, ab und an bei Trainings, oder Teamevents dabei zu sein und stehe für Tipps und Coachings zur Verfügung.

Bine: Gerne wollen wir Lena für Trainingstage, oder -wochenende zu uns nach Dortmund einladen, um intensiv an Bereichen zu arbeiten, in denen wir uns noch verbessern können. Aber auch Meinungen oder Einschätzungen von Lena für uns als Captains helfen uns in unserer Planung und Trainingsgestaltung sehr weiter. Auch das Teilen von Drills oder Technikvideos kommen bei uns im Team sehr gut an und können intensiviert werden.

  1. Eure Teams sind in der 1. BLW Konkurrenten. Wie kann es funktionieren, einerseits auf dem Platz gegeneinander zu kämpfen und sich andererseits dem Platz gewinnbringend zu unterstützen?

Lena: Die Frage passt sehr gut zur Antwort von vorhin. Mein Wunsch ist es, dass das Dortmund Team ebenfalls um die Playoffs-Plätze in der Bundesliga West kämpft und wir uns einen harten Fight auf dem Platz liefern können – denn ein hart umkämpftes Spiel ohne das Endergebnis des Spiels im Vorhinein zu Wissen steigert Spannung und Ehrgeiz. Den Weg dorthin unterstütze ich gerne. Und wer weiß, ob es mich doch mal wieder in die Heimat verschlägt…

Julia: Ich glaube aus unserer Rolle heraus, steht die Konkurrenz unserer Teams in der 1. BLW bei dem Patenkonzept weniger im Fokus. Durch Lenas Verbundenheit zum Dortmunder Team und als ehemalige Spielerin von Dortmund, war Lena für uns schon lange eine Ansprechpartnerin. Zudem nehmen wir sie in dem Zusammenhang eher in ihrer Rolle als Nationalspielerin wahr, als in ihrer Rolle als Spielerin von Köln. Wir freuen uns natürlich, wenn wir es mit Lenas Unterstützung zu den Playoffs schaffen und uns dann auf dem Spielfeld gegenüber stehen und uns einen harten Fight liefern.

  1. Lena, du bist auch Sprecherin der Athletenkommission. Welche Rolle kann diese neue – und schon jetzt sehr aktive Gruppe in diesem Konzept einnehmen?

Die Athletenkommission vertritt die Belange der Spitzensportlerinnen und Spitzensportler des deutschen Lacrosse und setzt sich für die Weiterentwicklung und Förderung dessen in Deutschland ein. Eine Möglichkeit, um diesen Auftrag zu erfüllen, ist die Einführung des Patenkonzeptes. Die einzelnen Vertreter der Bundesligen und Nationalmannschaften der Athletenkommission werden das Patenkonzept in ihrer Liga/ Mannschaften bewerben und eine Patenschaft für ihren Aufgabenbereich fokussieren. Denn die hier beschriebene Patenschaft zwischen Dortmund und Köln bezieht sich auf Feldlacrosse, aber eine Patenschaft soll genauso im Indoor-Lacrosse und in der Jugend etabliert werden. Die einzelnen Mitglieder der Athletenkommission stehen als Vertreter und Motivator ihrer Sparte für die Teilnahme von Teams und Spieler*innen als Pate, um die Entwicklung im Feld-, Indoor und Jugendlacrosse nach vorne zu bringen.

Bei dem Patenkonzept werden Damen-, Herren- und Jugendteams Vertreter*innen der Nationalmannschaften (Damen, Herren, U19) zugeteilt. Interessierte Teams können sich über info@DLaxV.de anmelden.