Seitdem die Herren des DHC Hannover bei den Playoffs 2015 ausgeschieden sind, ist es lange Zeit still geworden um die Roten aus der Landeshauptstadt Niedersachsens. Denn während die Damen eine Deutsche Meisterschaft nach der anderen bejubeln durften (2015 und 2016), hatte das Herrenteam viele Abgänge zu beklagen. Das ging sogar so weit, dass einige Ligapartien ohne Auswechselspieler bestritten werden mussten. Doch nun haben sich die Herren des DHC Hannover wiedererstarkt an die Spitze Deutschlands zurückgemeldet und streben danach, sich in den Playoffs gegen die arrivierten Teams zu beweisen.

 

Der Weg zu den Playoffs

Während sich Wiederholungstäter wie Köln, Hamburg oder München keine Gedanken machen müssen, ob und wie sie sich für die Playoffs respektive die Deutsche Meisterschaft qualifizieren, haben es die Hannoveraner zu Saisonbeginn kaum zu träumen gewagt, sich zu den Auserwählten zu zählen. Dennoch startete der DHC mit Ambitionen in die neue Spielzeit. Denn auch wenn verdiente Spieler den Verein verlassen haben, verzeichnete die Mannschaft um langjährige Stützen wie Hendrik Ohrdes oder Ryo Shibata diverse zum Teil bereits erfahrene Zugänge. So fand unter anderem auch der Deutsche Meister von 2014 und Box-Nationalspieler Artjom Meriasch in die Messestadt an der Leine. Enthusiastisch erklärte er sich sogleich bereit, das Trainingszepter zu übernehmen, und aus dem Rohdiamanten eine torgefährliche Mannschaft zu formen. Nachdem einige Herren in der Spielgemeinschaft mit Bielefeld den dritten Platz der Indoor-Meisterschaft geholt hatten, ging das neuformierte Team selbstbewusst in die neue Saison. Während sich diese als regelrechter Thriller entpuppte, da sich der BHC, Blax und der DHC im Kampf um die Playoff-Plätze der Liga Nord/Ost zwei und drei auf Augenhöhe begegneten, mussten die Hannoveraner inmitten der Spielzeit einen erneuten Verlust verkraften: Artjom Meriasch verließ berufsbedingt die Stadt der Mitte und wechselte zum Rivalen HTHC Hamburg. Der Rest des Teams ließ sich davon jedoch auf dem Platz wenig beeindrucken und sicherte sich souverän unter den Spielertrainern Hendrik Ohrdes und Hendrik Käßmeyer den zweiten Rang hinter dem ungeschlagenen Vizemeister 2017.

Das Team

Superstars wie Cristiano Ronaldo oder Lionel Messi können zwar Spiele gewinnen, doch nicht unbedingt die Meisterschaft, wenn sie in einer Gurkentruppe spielen. Der beste Beleg ist die WM 2014, als Deutschland alias „Die Mannschaft“ die ganze Welt mit ihrem Fußball verzauberte, der von einem Team gespielt wurde, das aus einem Guss gewesen zu sein schien.

Hannover mag zwar kein Titelanwärter sein – nicht einmal ein Favorit für das Weiterkommen zur DM, aber dennoch trifft ein Vergleich zu diesem DFB-Team zu. Denn auch hier stimmt die Chemie im Team. Und seien wir mal ehrlich: Wer hat das nicht schon erlebt, dass sich die Teammitglieder bei einem Rückstand gegenseitig zur Sau machen? Doch spätestens in der Partie gegen den Berliner HC, als Hannover plötzlich hinten lag und die Playoffs in Gefahr waren, ist die wohl größte Stärke des DHC ans Tageslicht gekommen: Teamgeist! Anstatt sich gegenseitig unangespitzt in den Boden zu rammen, konnte die aufkommende schlechte Stimmung im Keim erstickt werden. Hannover fing sich, schöpfte neue Kraft und konnte schlussendlich doch noch im Sudden Death triumphieren. Dass hinter einer hervorragenden Teamchemie auch Qualität stecken muss, versteht sich von selbst. Und diese soll hier kurz vorgestellt werden.

Nachdem der arrivierte Goalie Ryo Shibata verletzungsbedingt seinen Arbeitsbereich verlassen musste, fortan als Defensive Middie für Furore sorgte und schnell zu einem Groundball-Monster avancierte, hat sich Benjamin Brümmer zwischen den Pfosten als sicherer Rückhalt bewiesen. Vor ihm klären neben dem ehemaligen U19-Nationalspieler Hendrik Käßmeyer, der bereits so manchem Attacker durch seine punktgenauen Treffer zwischen die Schutzausrüstung das Fürchten gelehrt hat, die Longsticks Michael Münch, Steffen Treiß und Timm Söhlke die gefährlichen Situationen.

Im Midfield müssen die Hannoveraner leider das Fernbleiben des stärksten Faceoff-Spielers Sebastian von Trippelskirch kompensieren. Doch dazu sollten die Middies Marco Gustav und vor allem Justin Wismer allemal im Stande sein. Besonders Letztgenannter hat in der laufenden Saison einen unheimlichen Leistungsschub erlebt, sodass er nicht nur in der U19-Nationalmannschaft zum Zugpferd avanciert ist, sondern auch die Nominierung für die Box-Natio geschafft hat. Dabei zeichnet ihn nicht nur seine Athletik aus, vielmehr ist es seine teamdienliche Spielweise, die ihn so wichtig für die Mannschaft macht. Um nicht den Rahmen zu sprengen und für die Playoffs eine Überraschung bereitzuhalten, werden die übrigen Midfielder nur kurz namentlich genannt: Leon Hilker, Christoph Jakob, Tobias Käsmeyer, Tobias Noeßelt, Moritz Schwengber, Severin Senge und Lars Werner.

Die größte Torgefahr strahlt jedoch das Hannover Attack-Trio aus: Während Hendrik Ohrdes und Daniel Schmitz mit dem meisten Torbeteiligungen der Liga die Fäden in der gegnerischen Hälfte ziehen, ist Justin Theine der Mann für die unvergesslichen Momente wie den verwandelten Assist seines Goalies im Spiel gegen Dresden. Leider muss das Team auf Valts Grasis verzichten.

Verstecken muss sich der DHC also keineswegs. Das erste Ziel wurde mit dem Erreichen der Playoffs bereits abgehakt und alles weitere wird sich ergeben. Das Team ist jedenfalls heiß auf das Wochenende in Berlin und wird mit einem Lachen die Heimfahrt antreten – komme, was da wolle!