Nach über zwei Wochen in Kanada, nach sieben großartigen Spielen und einem 5-2 Record beendet die deutsche Mannschaft die Weltmeisterschaften im Indoor Lacrosse mit dem 10. Platz unter den Top 10 der Welt. Hier ein kleiner Bericht zu den Play-In und Platzierungsspielen:

Zu Teil 1 geht es hier.

Nach dem zweiten Platz in der Vorrundengruppe konnte sich das deutsche Team leider nicht für die Hauptrunde der Top 8 qualifizieren. Das neu gefasste Ziel war demnach die best mögliche Platzierung mit dem 9. Platz zu erreichen. Die Mannschaft konnte spielerisch in der Vorrunde überzeugen und unterlag lediglich dem Nachbarn aus Tschechien.  Doch es warteten einige starke Gegner in den Play-in Spielen um die finalen Platzierungen. Durch den zweiten Platz in der Vorgruppe konnte sich das Team einen dringend benötigten freien Tag gönnen, um nicht nur den Körper zu erholen, aber vor allem auch um den Fokus erneut für die anstehenden Spiele zu finden. Die Enttäuschung nach dem verlorenen Spiel gegen Tschechien wurden beiseite geschoben von den Spielern. Das deutsche Team traf frisch erholt mit Schweden auf den vierten der orangenen Vorrundengruppe. Obwohl auf dem Papier dem deutschen Team scheinbar unterlegen, war das Team jedoch nicht zu unterschätzen. Sie konnten die starke schweizer Mannschaft am Vortag mit 10-11 besiegen. Das Spiel gestaltete sich in der ersten Hälfte erwartet zäh. Deutschland war in der Lage eine 8-5 Führung mit in die Kabine nehmen. Zu Beginn der zweiten Hälfte schienen die Schweden kurz vor dem Ausgleich zu stehen, das deutsche Team antwortete jedoch stark mit acht Toren in Folge und konnte so am Ende ein 17-10 Sieg verbuchen.

Viel Zeit zum Jubeln hatten die schwarz-rot-goldenen Jungs jedoch nicht. Die Vorbereitung für den nächsten Gegner am Folgetag stand an. Hier sollte es zu einer altbekannten Begegnung bei Weltmeisterschaften kommen, Deutschland gegen Serbien. Bereits bei der letzen WILC gab es diese Begegnung bereits zweimal mit je einem Sieg und Niederlage für das deutsche Team. Die Serben, angeführt von vier aktuellen und ehemaligen nordamerikanischen Profispielern, konnten ihr bis dato gezeigtes Offensivspiel gegen die deutsche Verteidigung jedoch zu Beginn des Spiels nicht umsetzten. Daher verbuchte die deutsche Mannschaft eine 8-1 Führung Mitte der ersten Hälfte. Mit einer 10-4 Führung ging es in die Halbzeit. Im Hinterkopf das Wissen, dass vom serbischen Gegner ein befürchtetes Come-back geben könnte. Doch trotz zwischen zeitiger Verkürzung des Vorsprungs auf 11-8 konnte das deutsche Team den Sieg einfahren und verbesserte die „ewige“ Statistik gegen Serbien auf 2-1. Dieser Sieg bedeutete nicht nur, dass es am Folgetag wieder einen freien Tag zur Erholung gab, sondern vielmehr einen Einzug in das Platzierungsspiel um den 9. Platz. Hier wartete das Team aus Australien. Um nicht aus dem Rhythmus zu kommen, verbrachte die Mannschaft den freien Tag mit leichten Trainingseinheiten und ging mit einem guten Gefühl und erholten Körpern ins Bett.

Gegen Australien galt das deutsche Team als Außenseiter. In der Vorrunde haben sie lediglich gegen Finnland verloren und so ein ähnliches Schicksal wie die deutsche Mannschaft erlitten. Es galt alle verfügbaren Kräfte für einen Sieg zu mobilisieren. Einen 4-1 Rückstand nach dem ersten Viertel konnte zur Halbzeit zwar auf 6-3 verkürzt werden. Jedoch liefen das deutsche Team das gesamte Spiel der physisch und technisch starken Offensive der Australier hinterher. Und so ging am Ende ein hart umkämpftes aber gut geführtes Spiel mit 6-13 verloren. Zwar war die Enttäuschung bei den Spielern groß, wollte man doch das Turnier, im Gegensatz zur vergangenen Europameisterschaft, mit einem Sieg beenden. Spieler und Trainer und die tollen Fans und Zuschauer, die die Mannschaft in der Arena und von zu Hause anfeuerten, waren dennoch stolz auf die Leistung im Spiel und über die letzten Wochen.

Mit dem 10 Platz konnte man sich in dem, seit letzten Turnier auf 20 Nationen angewachsenen, Teilnehmerfeld um eine Position verbessern. Mit nur einem nicht in Deutschland aktiv spielenden Spieler (Torwart Craig Wende) war die Anzahl an „Imports“ stark reduziert. Damit stellt man mit der Schweiz, die erneut ganz ohne „Imports“ spielten und den 16. Platz belegten, eine Ausnahme dar, die auch von den Veranstaltern World Lacrosse wahrgenommen wurde. Durch die starken Leistungen und stellvertretend für die gesamte Mannschaft wurden daher die Spieler Craig Wende und David Beckmann in das Presidentsteam (ein Allstarteam des Präsidenten von World Lacrosse) gewählt und stellten die Qualität des deutschen Spiels unter Beweis.

Was bleibt also nach über 14 Tagen voller Indoor Lacrosse in Kanada zurück? Der deutsche Indoor Lacrosse Sport hat sich in den letzen sechs Jahren rapide zu einem starken Wettbewerber innerhalb der europäischen Indoor Lacrosse Szene etablieren und leistet durch eine eigene Liga und stark wachsendem Schiedsrichterwesen einen wichtigen Anteil an der Entwicklung erfolgreicher Eigengewächse für die Nationalmannschaft. Nach Abpfiff des Spiels gegen Australien waren allen Beteiligte, Staff und Spielern, bewusst, dass zwei Jahre harte Vorbereitung vor allen liegen wird, um 2021 bei der Europameisterschaft in Hannover um den Titel zu spielen. Informationen dazu und wie es mit der deutschen Indoor Lacrosse Nationalmannschaft weiter geht, folgen in den nächsten Wochen. An dieser Stelle möchte der Verband den zahlreichen ehrenamtlichen Mitgliedern des Stabs für einen reibungslosen Ablauf und das hervorragende Coaching danken. Weiterhin gilt besonderer Dank den Sponsoren um Ocha Ocha und Prolaxshop die fleißig dabei helfen unsere Mannschaft öffentlich sichtbarer zu machen und die finanziellen Hürden für Spieler und Verband zu reduzieren.

Ein kleiner Einblick/Ausblick zur Thematik Importspieler (verfasst und vertreten durch den Indoor Sportwart Simon Krause)

Die Meinungen bezüglich der Thematik „Import Spieler“ im nationalen und internationalen Lacrossesport sind weit gestreut und sicherlich ist es nicht Aufgabe des deutschen Verbandes anderen Nationen die Teilnahme von spielberechtigten Spielern zu diktieren. Ein Novum bei diesen WILC war jedoch die Teilnahme von 5 Mannschaften mit „dispensations“, also die Teilnahme von mehr Spielern mit nicht inländischem Pass als durch World Lacrosse Regeln zugelassen (Costa Rica, Mexico, Serbia, Slovakia, Sweden). Zwar war es diesen Mannschaften nicht gestattet in die Hauptrunde der Top 8 einzuziehen (siehe Serbien die 1. in Ihrer Vorrundengruppe wurden), jedoch nahmen diese Mannschaften gleichwertig an den Platzierungsspielen um die Platzierungen innerhalb der Ränge 9-20 teil. Und so verdrängen Nationen wie Serbien und die Slovakei durch den über Regelwerk zugelassenen Einsatz von, in der Regel nordamerikanischen Spielern, Nationen wie die Schweiz auf eine schlechtere Platzierung. Der DLaxV wird sich auch über dieses Turnier hinaus bemühen in der eigenen Indoor Sektion weiter auf „Heimgewächse“ zu setzten und sich bei den internationalen Dachverbänden World Lacrosse und der European Lacrosse Federation für einen fairen Umgang mit dieser Thematik einsetzten.